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Vortragsreihe der Kunstwissenschaftlichen Gesellschaft

und des Kunstgeschichtlichen Instituts in Verbindung mit dem Studium Generale im Wintersemester 2017/18:

 
Zur Bedeutung von Kunst und Künstlern für die russischen Revolutionen

Europäische Künstler der Klassischen Moderne haben sich für eine bessere Zukunft engagiert und Utopien entworfen, die sie mit ihrer Kunst verbreiten wollten. Es geht gerade im Zusammenhang mit der Russischen Revolution nicht nur darum, dass Geschichte durch Bildende Kunst illustriert und vermittelt wird – es gibt zu Beginn des 20. Jahrhunderts längst schriftliche Mitteilungen, Fotografien und andere Medien. Es geht vielmehr darum, dass Künstler aktiv mit ihren Bildern und Entwürfen in die zeitgenössischen Diskussionen eingreifen.
Aus verschiedenen Perspektiven nähern sich Peter Weibel und die Ausstellungsmacher Michael Baumgartner und Kathleen Bühler sowie die Wissenschaftlerinnen Verena Krieger und Ada Raev der Frage, was die Russische Revolution für die Kunst bedeutet – und was die Kunst für die Russische Revolution und auch für andere Gesellschaftsutopien.
 

 

Donnerstag
26.10.2017

Michael Baumgartner (Bern): Utopie und Wirklichkeit. Die russische Avantgarde und das Bauhaus
Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee zeigte die Ausstellung „Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!“ mit Werken aus Suprematismus und Konstruktivismus. Kasimir Malewitsch, der Begründer des Suprematismus, sowie die russischen Konstruktivisten um Wladimir Tatlin und Alexander Rodtschenko veränderten mit ihrem Durchbruch zur geometrischen Abstraktion und zur Konstruktion die Kunst radikal.

Donnerstag
16.11.2017

Ada Raev: Segen oder Fluch? Die Revolutionen von 1917 und die Kunst der russischen Avantgarde
Die Künstlerinnen und Künstler der russischen Avantgarde begrüßten 1917 mehrheitlich sowohl die Februar- als auch die Oktoberrevolution. Im Vortrag werden einerseits ihre ganz persönlichen Wahrnehmungen und künstlerischen und gesellschaftlichen Aktivitäten in den ersten Jahren der Revolution beleuchtet. Andererseits werden die Konsequenzen aus der engen Verflechtung von Kunst und bolschewistischer Politik diskutiert, die der sowjetischen Avantgarde Anfang der 1930er Jahre zum Verhängnis wurde.

 

Donnerstag
23.11.2017

Kathleen Bühler (Bern): Was von der Revolution übrigblieb. Der Sozialistische Realismus zwischen didaktischem Instrument und Mittel zur Gesellschaftskritik.
Das Kunstmuseum Bern zeigte unter dem Titel „Von Malewitsch bis Judd, von Deineka bis Bartana. Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!“ Spuren des sich nach der Revolution durchsetzenden «Sozialistischen Realismus» und beobachtet dessen Wandlungen und Verwerfungen bis in die Gegenwartskunst. Ein realistischer Malstil setzte sich mit der Russischen Revolution als verbindliche visuelle Sprache für die Darstellung sozialistischer Themen durch. Die Propagandakunst macht Werbung für eine Gesellschaft, die es nicht gibt und nie geben wird. Mit der Krise der Sowjetunion und der Auflösung des Ostblockes beginnt dann auch ein Wandel in der Bildsprache.

Donnerstag
30.11.2017

Peter Weibel (Karlsruhe): Was ist modern an der Moderne? Kandinsky, Malewitsch, Mondrian?
Wassily Kandinskys Buch „Über das Geistige in der Kunst“ von 1911 entstand unter dem Einfluss des russischen Philosophen Wladimir Solowjow. Solowjow war ein christlicher Mystiker, der 1874 Rationalität, Materialismus, Positivismus und Faktengläubigkeit des Westens anprangerte und eine spirituelle Renaissance in Russland forderte. Mit Solowjow nahm ein vormodernes Russland Einfluss auf Kandinsky, einen der Väter der Moderne. Ist das nicht paradox? Ähnlich obskure Quellen, von P.D. Ouspensky über H.P. Blavatsky bis zu H. Schoenmaekers gehören zu den Büchern, welche die Begründer der modernen Kunst, von Malewitsch bis Mondrian, beeinflusst haben. Mit welchem Recht sprechen wir heute noch immer von moderner Kunst, wenn ihre Quellen irrational, theosophisch und okkultisch sind?

Donnerstag
07.12.2017

Verena Krieger (Jena): Montage – eine revolutionäre Kunstform?
Collage, Fotomontage und Assemblage sind wichtige Neuerungen in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Zeitgenössische Theoretiker erkannten das ihnen zugrunde liegende künstlerische Prinzip der Montage – das Fragmentieren vorgefundenen (Bild-) Materials und dessen Neuordnung zu einem Kunstwerk neuen Typs – als revolutionäre Neuerung. Die Künstlerinnen und Künstler der russischen Avantgarde gingen noch einen Schritt weiter und stellten die Fotomontage in den Dienst der Revolution. Worin genau liegt das revolutionäre Moment der Montage, inwiefern ist es den Fotomontagen der russischen Avantgarde eigen und welche Rolle spielt es heute in der Kunst?

 
  

Alle Termine finden donnerstags, 20 Uhr c.t. im KG I, HS 1010 statt. 

 

 



 

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