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Hans Peter Autenrieth – Nachlass

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Zur Person

Hans Peter Autenrieth ist ein Kunsthistoriker mit den Schwerpunkten mittelalterliche Architekturgeschichte und Wandmalereiforschung. Unter anderem entdeckte er in der Kathedrale von Aosta oberhalb der Gewölbe einen übertünchten Wandmalereizyklus aus dem 11. Jahrhundert und in Modena Architekturmalereien des 13. Jahrhunderts. Außerdem wirkte er maßgeblich an der Verbesserung von Untersuchungsmethoden zur Erhaltung historischer Wandmalereien mit.


autenrieht profil 1939 in Hof an der Saale geboren, studierte Autenrieth Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie an den Universitäten Freiburg und München, wo er 1983 sein Studium mit einer Magisterarbeit zum Thema „Das Kloster Polirone und der Einfluss Clunys auf die romanische Architektur in Italien. Ein kritischer Bericht“ bei Prof. Dr. Hermann Bauer abschloss. Danach war er als selbstständiger Kunsthistoriker tätig, führte vor allem private Lehr- und Forschungsaufträge durch und präsentierte die Ergebnisse seiner Recherchen auf Tagungen und in Publikationen. Er spezialisierte sich auf dem Gebiet der mittelalterlichen Architektur, Polychromie und Wandmalerei im europäischen Raum und vor allem in Oberitalien. Ab Mitte der 1980er Jahre setzte er sich intensiv mit der Problematik der langfristigen Erhaltung und Konservierung historischer Wandmalereien auseinander und beteiligte sich an mehreren interdisziplinären Projekten des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) zu diesem Feld. Seine berufliche Tätigkeit führte er immer wieder in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Kunsthistorikerin Beate Autenrieth (geb. Janberg), aus. Seinen Freunden ist er als herzenzwarme, kritische und außergewöhnlich humorvolle Person bekannt. Außerdem zeichneten ihn sein Kunstverstand, praktisches Können sowie naturwissenschaftliches Verständnis aus. Seit 2014 leidet er zunehmend an einer Alterskrankheit, die ihm weitere wissenschaftliche Tätigkeiten nicht mehr erlaubt. Daher überließ das Ehepaar Autenrieth den wissenschaftlichen Nachlass dem Kunstgeschichtlichen Institut in Freiburg und rief 2017 die Autenrieth-Janberg-Stiftung ins Leben, mit dem Ziel, die Forschung zur mittelalterlichen Kunstgeschichte am Freiburger Institut, ihrem einstmaligen Studienort, finanziell zu unterstützen und zu fördern. Die Bestandaufnahme des umfangreichen Nachlasses ist abgeschlossen. Zurzeit wird dieser erschlossen, um in Zukunft der wissenschaftlichen Arbeit zugänglich gemacht zu werden. Heute lebt das Ehepaar Autenrieth in einem Pflegeheim bei München.

 

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Der Nachlass

Im Laufe seiner kunsthistorischen Tätigkeit sammelte Hans Peter Autenrieth ein breites Spektrum an wissenschaftlichem Material, auf welches er während seiner Recherchen zurückgriff. Forschungsunterlagen, eigene Fotografien, Kopien aus Sekundärliteratur, Handnotizen, Abbildungen, Postkarten, Ausschnitte aus Zeitungen, Karteikarten oder Sonderdrucke sind in rund 630 Behältern – Ordnern, Mappen, Hängeregistern, Karteikästen – sortiert und aufbewahrt. Sie sind alphabetisch nach Ländern und Regionen sowie nach Themen geordnet und in einem eigenen Archivraum des Instituts aufbewahrt.

 

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autenrieht modena 72Der Autenriethsche Forschungsnachlass unterteilt sich in verschiedene Themenbereiche. Zum größten Teil handelt es sich um wissenschaftliches Material zu den Wandmalereien und Bauwerken mittelalterlicher Kirchenbauten Oberitaliens – in geringerem Maße auch Frankreichs, Österreichs, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern –, das er für die Vorbereitung seiner Publikationen gesammelt hat. Dabei bezieht sich der größte Anteil davon auf Kirchenbauten, mit denen sich H. P. Autenrieth besonders auseinandergesetzt hat: die Kathedrale von Aosta, in deren Gewölbezone er 1979 einen übertünchten Wandmalereizyklus entdeckt hat; die Kathedrale von Modena, bei der es ihm gelang, das Dekorationssystem der zweiten Bauperiode zu rekonstruieren (siehe Abbildung); die Kathedrale von Cremona, von welcher er die Baugeschichte erhellen konnte; schließlich das Kloster San Benedetto in Polirone, worüber er seine Magisterarbeit schrieb. 


autenrieht  leiterHinzu kommt eine große Menge an Forschungsunterlagen zu deutschen Kirchenbauten, welche aus drei Projekten, die das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) finanzierte, hervorgegangen sind: „Wandmalerei-Schäden“ (1987–1991), „Erhaltung historischer Wandmalereien“ (1991–1996) und die Untersuchungen in der Grotte der Sala Terrena von Schloss Weißenstein in Pommersfelden (1991–1993). Im Rahmen dieser Projekte arbeitete Hans Peter Autenrieth an der Verbesserung der fotografisch-optischen Techniken der Schadensphänomenologie, insbesondere mit der Praxis des sogenannten „Monitoring“, der Wandmikroskopie abb. gerüst2und der UV-Fluoreszenz. Beim „Monitoring“ geht es um eine Praxis zur langfristigen Evaluation des Zustandes von Wandmalereien: durch die fotografische Aufnahme in bestimmten zeitlichen Abständen von charakteristischen Stellen einer Wandmalerei können etwaige Veränderungen an den Wandmalereien genau beobachtet werden.

Der letzte große Teil des Nachlasses besteht aus Unterlagen zum Thema Bauwerk und Wandmalerei unter material- und technikgeschichtlichen Aspekten, sowie aus Recherchen zu Hans Peter Autenrieths unvollendetem Dissertationsprojekt mit dem Thema „Architektur und Farbe. Struktur, Oberflächen und Farben in europäischer Architektur, besonders des Mittelalters“.

Dazu enthält der Nachlass auch eine große Menge an analog hergestellten Diapositiven, die Hans Peter Autenrieth während seiner Forschungsreisen machte. Die Untersuchungen, die er in Italien, Deutschland, Frankreich und in der Schweiz an Bauwerken und Wandmalereien durchführte, belegte er nämlich mit ausführlichen Fotokampagnen: er machte sowohl Gesamtaufnahmen als auch präzise Detailaufnahmen der Baunähte, Backsteinschraffuren, Farbreste und anderer Details. Durch diese genauen Beobachtungen vor Ort gelang es ihm, einige, für die Forschung wesentliche Befunde zu machen. Die Diapositive, mit denen Autenrieth auch seine Vorträge illustrierte, bildeten für ihn wesentliches Arbeitsmaterial. Sie sind nach einer komplexen Systematik beschriftet und sortiert. Darunter befinden sich rund 1370 große Diapositive (85 x 85 mm) in 152 Diajournalen, sowie rund 70 000 kleine Diapositive (50 x 50 mm) in 1280 Diajournalen und 138 Holzkästen (à 85 x 280 x 375 mm).
 

autenrieht autoHans Peter Autenrieth hat zwischen 1972 und 2012 nicht weniger als 49 wissenschaftliche Beiträge publiziert und 39 Vorträge gehalten. Aus dem Nachlass konnte der größte Teil seiner Texte zusammengeführt und chronologisch geordnet werden. Auch seine wissenschaftliche Korrespondenz hat der Kunsthistoriker sorgfältig aufbewahrt. Briefe wechselte er mit zahlreichen Gelehrten aus dem Bereich der mittelalterlichen Kunstgeschichte, der Architektur- und Wandmalereiforschung und der Denkmalpflege aus Italien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den USA. Dabei handelt es sich um üblichen Briefverkehr im Vorfeld von Tagungen, im Rahmen von Veröffentlichungen von Sammelbänden sowie von Forschungsprojekten, sowie um die Zusendung von Sonderdrucken und die Bitte um wissenschaftlichen Rat, Literaturhinweise oder Abbildungen. Unter den zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, mit denen er korrespondierte, sind namentlich zu erwähnen Adriano Peroni (1931*), Angiola Maria Romanini (1926-2002), James Beck (1930-2007), Reinhard Liess (1937*), Volker Hoffmann (1940*) und Peter Diemer (1945*).

Das Autenrieth-Archiv bildet einen wichtigen Beitrag zur mittelalterlichen Architektur- und Wandmalereiforschung im europäischen Raum und dokumentiert auf bedeutende Weise die Praxis der Erhaltung historischer Wandmalereien aus den 1980er und 1990er Jahren. Der Forschungsnachlass von Hans Peter Autenrieth soll nach Abschluss der wissenschaftlichen Erschließung durch ein Findbuch systematisch erfasst werden. In Zukunft soll für den Nachlass außerdem ein Digitalisierungskonzept erarbeitet werden, um die analogen und digitalen Photographien sowie den umfangreichen Bestand an Diapositiven im Bildarchiv Freikon zugänglich zu machen.

 

(Erfasst von Hélène Iehl M.A.)

 

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